Mit „Düsseldorf – Tokyo“ veröffentlichen Love Machine eine zweisprachige Sammlung an kauzigen Rocksongs


Tief im Westen ist es auch nicht besser als man glaubt. Nachts am Worringer Platz leuchtet Düsseldorf im Neonlicht. Dort wo Sehnsucht eine Leuchtreklame ist und wo du Dir lieber schnell ein Taxi schnappst. Auf halbem Weg zwischen Japan-Connection und Altstadt ging etwas verloren und irgendwie sind die Erlebnisse doch auch immer abhängig von ihrer Umgebung. Es ist ein schmuddeliges und ein irrsinniges Düsseldorf von dem Love Machine auf ihrem neuen Album Düsseldorf – Tokyo erzählen. Die Heimatstadt wird zum Schauplatz von Geschichten über Sucht und Absturz und von denen über Ausnüchterung und Freundschaft. Alles am eigenen Leib erlebt im örtlichen Spannungsfeld zwischen Mondänität und Trash. Die Band um Sänger Marcel Rösche liefert hier eine persönliche Bestandsaufnahme und verneigt sich tief vor der wundersamen Stadt am Rhein.

Auf ihrem vierten Studio Album spielen Love Machine die Nacht erhellend kauzige Rockmusik mit deutschen Texten. Bei acht der zehn Stücke von Düsseldorf – Tokyo singt Rösche auf Deutsch, was nicht der Erwähnung wert wäre, wäre es keine Premiere für eine Band, die sich zuvor ausschließlich mit englischen Texten in Szene setzte. Das war so nicht geplant. Aber es kommt dann doch manchmal alles anders als erwartet und überhaupt schreibt es sich in der eigenen Muttersprache so herrlich ungeniert. Und das trifft jetzt auf Garage Geknatter, treibenden Rhythmus und allerlei Zischen und Fiepen. Die Rhythmusgruppe um Schlagzeuger Noel Lardon und Bassisten Richard Eisenach bleibt stets on point und beweist ebenso große Flexibilität und Bandbreite wie die gemeinsame Gitarrenarbeit von Hendrik Siems und Felix Wursthorn. Unterstützung bekommt das Quintett von Pianisten Jan Lammert, dessen Einsatz am E-Piano, Klavier, Orgel und Synthesizer den Stücken auf Düsseldorf – Tokyo eine völlig neue Dimension verpasst.

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Das Titelstück gleich zu Beginn der Platte ist zum einen Reisebericht, zum anderen ein klassisches Düsseldorf-Thing mit ganz viel Globus umspannender Krautrock-Historie, die da durchklingt. Es treibt motorisch. Drums, Bass, Samples und Synthesizer werden eins. Die Motoren drehen sich im Kreis. Vom Rollfeld dann zum Hauptbahnhof. In bester BRD Manier besingt Rösche selbigen und die umliegende Gegend als Orte des Absturzes und der Desillusionierung. Hier strandet das Treibgut und hier endet noch jeder Traum. Das klingt bitter-süß nach Slacker Chanson mit schnoddrigen Gitarren und dahinschmelzenden E-Piano.


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