Credit: Marcel Brell

Lennart Schilgen veröffentlich “Ich lass es nur geschehen” aus der kommenden EP “Populärmusik”

Lennart Schilgen schreibt Lieder, die Geschichten erzählen. Darin verbindet er, was in der Pop-Musik selten zusammenkommt: Groove und Grips, Sensibilität und Selbstironie. Ausgefuchstes Songwriting, das den musikalischen Einfluss der 60’er Jahre durchblitzen lässt, trifft auf eine Weltsicht, die ganz im Hier und Jetzt verankert ist. Zeitgemäß – ohne, dass dafür „Instagram“ im Text vorkommen müsste – und eben dadurch zeitlos.

Es sind alltägliche Konflikte, aus denen Schilgen seine Mini-Dramen strickt: Das Telefonat mit einer Festivalbekanntschaft nach Jahren der Funkstille. Die schleichende Resignation in einer festgefahrenen Beziehung. Was überrascht, ist die Leichtigkeit, die er dabei versprüht: Hier ein beatlesquer Background-Chor, da eine spielerische Umdeutung der Sprache. Statt ein Gefühl nur zu benennen oder zu beklagen, verschiebt er die Perspektive darauf: „Wir verstehen uns blind / das seh‘ ich genau wie du / wir verstehen uns blind / also lassen wir die Augen lieber zu.“ Kippfiguren wie diese tauchen immer wieder auf und verwandeln die Songs mitunter in kleine Achterbahnfahrten: vom nächtlichen Schmachten unter dem Fenster der Ex-Freundin zum bedrohlich-komischen Stalking-Drama („Ich bleib hier“), vom zweifelhaften Rechtfertigungsversuch eines Seitensprungs zur Kapitalismuskritik und zurück („Ich lass es nur geschehen“).

Das Pendeln zwischen Rock’n’Roll und Chanson, Ernsthaftigkeit und Komik machte es Schilgen nie leicht, eine passende Schublade zu finden. So landete seine zu Schulzeiten gegründeten Band „Tonträger“, die sich zunächst durch die Berliner Club-Szene spielte, irgendwann in Theatern und auf Comedy-Bühnen. Dort nahm in den letzten Jahren auch seine Solo-Karriere Fahrt auf: Zwei abendfüllende Programme, Fernsehauftritte, renommierte Kleinkunst-Preise wie der „Prix Pantheon“ und mehr als 200 Konzerte im gesamten deutschsprachigen Raum, unter anderem als Opener für DOTA.

Mit der EP „Populärmusik“ (VÖ: 09.04.) kehrt er nun zur Band-Besetzung zurück. Die detailverliebten, fast ausschließlich in Eigenregie entstandenen Arrangements machen deutlich, dass seine Lieder auch weit über den Kleinkunst-Rahmen hinaus Bestand haben. Wem der Mainstream zu pathosgeladen, die Hamburger Schule zu intellektuell-verquast und die Neue Deutsche Gefühligkeit zu sehr mit Nabelschau beschäftigt ist, der findet bei Lennart Schilgen eine höchst eigenständige Alternative: gefühlvollen, intelligenten Pop, der auf Anhieb Spaß macht, aber noch viel mehr genaues Zuhören belohnt.

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Credit: Marcel Brell

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