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Auf Twitch zum Star werden

Traumberuf Streamer: Twitch macht es möglich. Die Online-Platform, auf der in erster Linie Videospiele gestreamt und gleichzeitig vom Spieler kommentiert werden, gewinnt immer mehr Fans und hat aus etlichen erfolgreichen Gamern Superstars gemacht, die von ihrem Kanal gut leben können.

Live-Events, Chatrunden und Fragestunden und mehr sorgen dafür, dass Twitch weitaus mehr als nur eine Video-Plattform ist.

Die Streamer selbst bekommen ihren Anteil an Abo-Gebühren, aber die Streams können auch ohne Abo geguckt werden. Fanartikel mit dem Konterfei der Stars, Markenwerbung und Produktplatzierung, die auf vielen Plattformen geduldet wird, lassen die Kassen der Stars ebenfalls klingeln.

Für Neueinsteiger klingt das verlockend, vor allem, weil die Einrichtung eines Kanals und das Streamen mit so gut wie keinen Kosten verbunden ist. Die Grundausrüstung besteht aus einer Kamera, Streaming-Software, einem PC, Mobilgerät oder Konsole und einer funktionierenden Internetverbindung. Selbst auf einem Smartphone mit einer entsprechenden App und einem schnellen Internet kann man solche Videos erstellen.

Professionelle Streamer richten sich meist ein Studio ein, aber auch dafür reichen ein kleines Zimmer, ein Streaming-PC, ein PC oder eine Konsole zum Spielen, sowie diverse Kameras, zwischen denen hin und her geschaltet werden kann. Ein gutes Mikrofon kaufen sich auch die meisten. 

Die bekanntesten Twitch-Stars kommen aus den USA. Die Nummer Eins war im Jahr 2019 Tfue (bürgerlich Turner Tenney) aus New Jersey. Er konzentriert sich bei seinen Streams auf das Battle-Royale-Spiel Fortnite. Seine epischen virtuellen Schlachten und Siege haben ihm auf Twitch 7,5 Millionen Follower, auf YouTube 11,5 Millionen Follower und auf Instagram 4,6 Millionen Follower eingebracht. An zweiter Stelle kam im vergangenen Jahr der Kalifornier Michael Grzesiek alias Shroud, der online Player Unknown’s Battlegrounds, Counterstrike und Call of Duty spielt. Er hat es mittlerweile auf sieben Millionen Follower bei Twitch sowie 5,7 Millionen Follower bei YouTube und 1,5 Millionen Follower bei Instagram gebracht.

Fortnite, Counterstrike und World of Warcraft sind denn auch international die größten Hits.

In Deutschland haben allerdings auch andere Spiele und Kategorien eine Chance. Die seit Jahren unangefochtene Nummer Eins in der Bundesrepublik ist der Hamburger MontanaBlack alias Marcel Eris. Er spielt außer Call of Duty auch Fortnite und FIFA und hat inzwischen 2,2 Millionen Follower auf Twitch sowie 2,4 Millionen Follower auf YouTube und zwei Millionen Follower auf Instagram. MontanaBlack ist schon seit 2009 mit Videos aktiv.

Die deutsche Nummer zwei ist Trymacs mit knapp unter zwei Millionen Twitch-Followern. Er spielt außer Fortnite, Clash Royale und Clash of Clans auch das in den deutschen Top 20 mehrfach auftauchende Minecraft.Jedoch gehören nicht nur Videospiele zu den Megahits auf Twitch. Auch andere Kategorien sind vielversprechend und können dich zum Star machen. Beispiele dafür sind die Erklärung von Roulette-Regeln beim Spiel und Tipps, wie sich die Gewinnchancen berechnen lassen, sowie auch Erklärungen und Tipps, wie man mit möglichst wenig Aufwand fit bleibt, sind eine Möglichkeit Fans zu finden.

Allein in Deutschland hatte Twitch im März 2020 bereits 3,58 Millionen Nutzer, die sich Live-Streams, Replays oder Zusammenfassungen mit Highlights angeschaut haben.

TwitchTV existiert als Gaming-Streaming-Plattform seit 2011. Gegründet wurde sie als Ableger der Webseite JustinTV, auf der Streaming-Pionier Justin Kan im Jahr 2007 damit anfing, sein Leben rund um die Uhr zu übertragen. Sein Beispiel fand immer mehr Nachahmer, die ihre eigenen Inhalte senden wollten – vor allem in der Gamergemeinschaft. 2014 wurde Twitch von Amazon übernommen. YouTube wurde erst ein Jahr später, nämlich 2015, gegründet.

Obwohl YouTube insgesamt deutlich bekannter, ist Twitch stärker auf seine eigentlichen Inhalte konzentriert, was den Kanal für viele verschiedenen Nischen und Bereiche interessant macht. 

Bands und Solomusiker finden auf Twitch genauso ein Publikum wie auf YouTube und können zudem zu Konzerten einladen und anschließend mit einer Online-Party abfeiern. Ein Beispiel dafür ist Kontor Records, die mit dem Kontor DJ Delivery Service seit dem 17. März jeden Tag elektronische Musik auf Twitch streamen. Weil über die Suchfunktion auch Nicht-Abonnenten fündig werden können, lohnen sich Ankündigungen über soziale Medien, um auf das Live-Streaming von neuen Songs, Parties, aber auch Chats aufmerksam zu machen.

Nicht umsonst ist die Kategorie „Just Chatting“, bei der die Unterhaltung mit den Zuschauern im Vordergrund steht, mittlerweile die beliebteste Kategorie geworden. 

Weil die Superstars unter den Streamern nicht nur viel Geld verdienen, sondern auch jede Menge für die Plattformen einbringen, kann es hier genau wie im Spitzensport zu hochkarätigen, aber auch komplizierten Wechseln kommen. Fortnite-Spieler Tyler Blevins, alias Ninja, gilt als absoluter Streaming-Star. Sein Ruhm hat ihm im vergangenen Jahr sogar die Teilnahme an der US-Version der Talentshow „The Masked Singer“ beschert und ihm diverse lukrative Werbeverträge eingebracht. 

Nach mehreren Jahren und 15 Millionen Followern auf Twitch hatte er allerdings vor rund einem Jahr die Plattform verlassen, um zum Vorzeigestar der Microsoft-eigenen Streaming-Plattform Mixer zu werden. Doch statt mit ihrem Star zu wechseln, hielten die meisten Ninja-Fans ihrer alten Online-Plattform die Treue. Im Juli 2020 stellte Microsoft den Streaming-Betrieb bei Mixer ein. Zwei Monate später kehrte Ninja mit einem Exklusiv-Vertrag zu Twitch zurück, wo er bei Fortnite zeigt, dass er in seiner Abwesenheit nichts verlernt hat. Ninja spielt seit 2009 professionell Videogames und hat es sich zum erklärten Ziel gesetzt, als bester Gamer aller Zeiten angesehen zu werden. Zu einem der erfolgreichsten Streamer hat er es längst gebracht.

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