Jamie Lawson by Shamil Tanna

JAMIE LAWSON – „HAPPY ACCIDENTS“

Reden wir nicht lang um den heißen Brei herum: Jamie Lawson wasn’t expecting that .

Eine internationale Hit-Single. Ein #1-Album. Ein Ivor Novello Award. Spotify-Streams: 110 Millionen. YouTube-Views: 24 Millionen. Follower auf seinen Socials: 180.000. Eine Menge Liebe von den Fans der erfolgreichsten Boygroup in der Galaxie. Eine Hochzeit (seine eigene)…

Und dann, 2017, die Gelegenheit, ein Album in einem der legendärsten Recording Studios von Los Angeles auszunehmen, mit einem nicht weniger legendären Produzenten. All dies folgte auf die Veröffentlichung seines selbstbetitelten Albums 2015. Um die fabelhafte Sage nachzuerzählen, wie der damals unbekannte Jamie Lawson dazu kam, das erste Signing auf Ed Sheerans Label Gingerbread Man Records zu werden …

Weihnachten 2010 befanden sich Jamie Lawson und Ed Sheeran im selben Pub – The Bedford Pub in Balham, South London – und spielten ein paar Songs. „Ich sang ‚Wasn’t Expecting That’, das ich im Oktober desselben Jahres geschrieben hatte, es war also eines der ersten Male, dass ich es performte“, entsinnt sich Lawson. „Die Reaktion des Publikums war großartig und ich erinnere mich, dass auch Ed sagte, ihm gefalle der Song sehr gut“. Zu der Zeit war Sheeran gerade im Begriff, bei Atlantic zu unterschreiben.

„Und das war alles. Dann, vier Jahre später, als Ed sein Album ‚x’ promotete, erhielt ich aus heiterem Himmel einen Anruf seines Managements – würde ich Ed bei einem Geheimkonzert in Dublin supporten? Ich lebte zu der Zeit in Manchester und es bedeutete, dass ich würde rüberfliegen müssen. Ich erinnere mich, dass ich bei mir dachte: Dieser Flug wird eine Menge kosten… ‚Wasn’t Expecting That’ war ein Hit in Irland gewesen, wo ich zuvor gelebt hatte, trotzdem hatte ich zu der Zeit keine wirklich nennenswerten Einnahmen. Dann jedoch sagte ich mir: Vielleicht sollte ich es einfach trotzdem machen…“

In Dublin lebte eine Freundschaft und Seelenverwandtschaft wieder auf. Lawson sah sich Sheeran beim V Festival und bei einer Show in Leeds an. In dieser Phase sprach Sheeran erstmals davon, ein Label gründen zu wollen. „Ich nahm irgendwie an, dass er keine Zeit haben würde. Er ist die meistbeschäftigte Person, die ich jemals getroffen habe. Doch er brachte es zum Laufen.“

Sicher, er brachte es zum Laufen – doch das gilt ebenso für sein erstes Signing. Die Songs auf „Jamie Lawson“ zeigten einen Musiker, der ebenso viel Sachverstand wie Feingefühl für unwiderstehliche Melodien und einfühlsame Texte besitzt. Nachdem „Wasn’t Expecting That“ über Gingerbread Man Records international veröffentlicht wurde, entwickelte es sich zu einem weltweiten Hit, der sich international mehr als 1 Million Mal verkaufte. Durch einen Support-Slot für One Direction wurde dieser Erfolg weiter befeuert. „Ich war doch ein wenig in Sorge, wie das funktionieren und über die Bühne gehen würde“, gibt der Künstler zu, der – seien wir ehrlich – alt genug ist, um Harry Styles’ Vater zu sein (wenn auch gerade so). „Aber ihre Leute waren sehr clever – sie sagten: ‚Du solltest diesen One-Direction-Song machen – die Jungs werden ihn nicht bringen, aber du solltest ihn in dein Set aufnehmen.’“

„Mein erster Gedanke war: Das ist ziemlich frech. Mein Manager meinte jedoch: ‚Nun, wenn sie dich auffordern, es zu tun…’ Also tat ich es. Ich sang ‚More Than This’, ziemlich an Anfang meines Sets, aber ich tat es wirklich langsam, ich brach es herunter und spielte es auf die denkbar simpelste Weise. Jeder sang mit, denn natürlich kannte es jeder, und ich denke, das half wirklich dabei, sie ins Boot zu holen und ihre Aufmerksamkeit zu gewinnen. Und dass ich ein Nummer-Eins-Album hatte, half natürlich auch – es erreichte die Spitze der Charts, während ich auf der Tour war. Die 1D-Jungs waren sehr positiv – Harry und Niall kamen regelmäßig vorbei und sagten hallo, und sie tweeteten anschließend darüber. Bis heute bekomme ich täglich Mentions, zwei Jahre später. Es ist verrückt.“

Jamie Lawson stellt sich am besten auf weitere Verrücktheiten ein. Sein neues Album „Happy Accidents“, ist randvoll großartiger Songs. Es wurde produziert von Joe Chiccarelli, der in der Vergangenheit unter anderem mit Rufus Wainwright, The Killers, The Strokes und American Music Club („Ich bin ein riesiger Fan von ihnen”) gearbeitet hat. Lawson nahm in L.A.’s Sunset Sounds in zwei Schwüngen auf, im November 2016 und Februar 2017, zusammen mit von Chiccarelli handverlesenen Musikern, darunter Keyboarder Roger Manning Jr (Jellyfish und Beck) und Drummer Matt Chamberlain (Fiona Apple, Tori Amos), zu denen sich Jamies langjähriger Bassspieler Henrik Irgens gesellte.

Und er schrieb mit einer Handvoll unterschiedlicher Songschreiber

Das Co-Writing half dem ambitionierten Künstler, seine selbst auferlegten Ansprüche zu erfüllen. Schließlich, wie Lawson mit einem unbekümmerten Schulterzucken zugibt, hatte er genug Zeit damit verbracht, die Leute vom Hören seiner Musik zu überzeugen…

Die Lead-Single „Can’t See Straight“ entstand in Zusammenarbeit mit Ed Sheeran und Johnny McDaid (Snow Patrol) in Sheerans Zuhause in Suffolk. Mit seinem locker-leichten Feel-Good-Vibe fühlt es sich von ersten bis zur letzten Sekunde wie der perfekte Sommerhit an. Sheerans liebster Song jedoch – der bei dem Album eine begeisterte, aktive A&R-Rolle einnahm – ist „Time On My Hands“, das Lawson mit Dave Bassett schrieb (Co-Schreiber von Rachel Plattens „FightSong“). „Wir schrieben in Daves House in den Malibu Hills – der erste Ort, an dem ich jemals Kolibris gesehen habe. Man kann sich entspannen, es ist sonnig, optimistisch … und ich finde, man hört die Sonne förmlich durch den Song scheinen.“

Die Piano-Ballade „A Little Mercy“ schrieb er gemeinsam mit Simon Aldred alias Cherry Ghost (der von Birdy wunderschön gecovert wurde und auch an Rag’n’ Bone Mans Erfolgsalbum „Human“ mitschrieb). Es ist von einem warmen, hymnischen Gefühl durchzogen. „Die Backing Vocals sind von den The Arnold Singers – legendäre Vokalisten, die mit James Taylor singen. Sie halfen dabei, den Song groß klingen zu lassen und ihm dieses gospelige Gefühl zu verleihen“.

Dann gibt es da noch das temporeichere „Fall Into Me“. „Wir nahmen 15 Songs im November auf, und als ich mir die Rough Mixes anhörte, realisierte ich, dass dem Album etwas fehlte, das ein bisschen mehr antreibt“, fährt er fort. Also schrieb ich „Fall Into Me“ extra zu diesem Zweck, mit einem mir selbst auferlegten Briefing – etwas, das ich noch nie zuvor getan hatte. Am Ende verlieh es dem Album tatsächlich eine dynamischere Form. Ich bin ein Vertreter der Album-Generation – ich will ein Album herausbringen und es für sich stehen lassen. Es soll als Einheit funktionieren.“

The Last Spark“ schrieb er ebenfalls mit Johnny McDaid, ebenso wie „Gary Go“. „Es ist sanft, geradezu zart – und es bricht einem das Herz“, findet Lawson, womit er absolut recht hat. „Es ist ein unglaublich trauriger Song über die letzten Momente deines Lebens. Viele der übrigen Songs drehen sich jedoch um die frühen Phasen von Verliebtsein und Liebe. Ich habe mich kürzlich vermählt – wir sind seit fünf Jahren zusammen, doch für mich fühlt es sich immer noch wie eine junge Beziehung an.“

In der Tat war es auch diese Beziehung, die dem Album seinen Titel gab. Lawsons zukünftige Frau ging eines Abends in einen Pub, um sich eine Stand-up-Comedy anzuschauen, landete dann aber versehentlich bei Lawsons Auftritt. Sie schrieb ihm am nächsten Tag eine Nachricht: „I went to see a comedy gig last night but ended up in the wrong room. Needless to say you weren’t very funny. But I did think you were very good. So hooray for happy accidents.” Es war der Beginn von etwas Wundervollem. Und wie es der Zufall so wollte, war der betreffende Pub … genau: das Bedford, derselbe, in dem Lawson einst Sheeran traf. So viel zum Thema „happy accidents“.

Der vielleicht kraftvollste Song auf „Happy Accidents“ ist „Sing To The River“, eine sanfte, von Piano und Streichern getragene Ballade über Lawsons Vater, der starb, als der Musiker 19 war. Er hatte zuvor nie über seinen Dad geschrieben, ebenso wenig wie über die Trauer, die ihn nach dessen Tod übermannte.

„Ich bin am Fluss Tamar in Plymouth aufgewachsen“, setzt er an, leise – auch darüber hat er nie zuvor gesprochen. „Als ich nicht schlafen konnte, nachdem mein Dad gestorben war, spazierte ich um zwei oder drei Uhr morgens dorthin und sang zum Fluss – was auch immer mir in den Kopf kam. Es war ein Ort des Trostes. Und in vielerlei Hinsicht ist mein Vater der Grund, wieso ich so lange bei der Stange geblieben bin – er kannte mich als Sänger. Ich war ein wirklich stilles Kind, daher waren meine Eltern erstaunt, als ich sagte, ich wolle ein Sänger werden und auf die Bühne gehen.“ „Aber so kannte mein Vater mich. Ich denke, ich blieb am Ball und rackerte mich ab, weil das meine Verbindung zu ihm ist. Und weißt du“, sagt er mit der Andeutung eines Lächelns und zuckt mit den Schultern, „am Ende standen wir es durch.“

Es ist eine berührende Empfindung und eine ebenso berührende Hommage, und beides spricht Bände über die Art von Mann – die Art von Schreiber –, der Jamie Lawson ist. Kein Wunder, dass „Happy Accidents“ ein derartig warmes, aufbauendes, in sich stimmiges Album ist. Der Boss seines Plattenlabels dürfte also mit ihm zufrieden sein – vielleicht sogar ein wenig neidisch? Schließlich schlug ihn sein erstes Signing bei Gingerbread Man Records zuvor bereits bei den Ivor Novellos im Rennen um „Best Song Musically and Lyrically“…

„Nee!“, lacht Jamie Lawson. „Die Tatsache, dass ‚Wasn’t Expecting That’ gegen ‚Bloodstream’ gewonnen hat, war in vielerlei Hinsicht das bessere Ergebnis für Ed. Es zeigte, dass er weiß, was er tut. Er kannte den Song, glaubte an ihn, glaubte an mich. Es war fast ein wenig, um die Leute eines Besseren zu belehren, und das ist uns gelungen. Ich denke, ‚Happy Accidents’ ist vom letzten Album ein weiterer großer Schritt nach vorn – produktionstechnisch, musikalisch und in den Songs, die ich geschrieben habe. Es ist daher wohl nicht im Geringsten ein ‚accident’, dass ich damit sehr ‚happy’ bin.“

Quelle: WARNER MUSIC GROUP GERMANY

www.iTunes.com/jamielawson

twitter.com/jamielawsonuk

www.youtube.com/user/JamieLawsonOfficial

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